„Die Medizin der Zukunft“
Teleneurologisches Modellprojekt zur ambulanten Versorgung gestartet

Im ländlichen Raum ist der Weg zum Neurologen meist weit.Foto: Adobe Stock/Berit Kessler
brandenburg. Mithilfe digitaler Technologien und fachärztlicher Expertise soll eine bessere neurologische Versorgung in strukturschwachen Regionen ermöglicht werden. Und das direkt in der Hausarztpraxis, wohnortnah und ohne lange Wartezeiten. Das ist das Ziel des Innovationsfondsprojekts „Tele-Neurologisch ambulante Versorgung in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern“ (TENEAM), das kürzlich in der Lausitz gestartet ist und auf andere Regionen Brandenburgs ausgeweitet werden soll.

Viele neurologische Erkrankungen nehmen mit dem Alter zu, und gleichzeitig wird die Praxisnachfolge in dünn besiedelten Gebieten immer schwieriger. Hier setzt TENEAM an. An der Nahtstelle zwischen Hausärzten und spezialisierten Fachmedizinern soll die neurologische Versorgung in Brandenburg entscheidend verbessert werden. Hausärzte identifizieren dabei frühzeitig neurologische Symptome, bieten eine erste teleneurologische Untersuchung direkt in der Praxis an und begleiten die Therapie dann in enger Abstimmung mit Fachkolleginnen und -kollegen sowie Universitätskliniken. Auf diese Weise sollen Versorgungsengpässe in ländlichen Regionen effizient, zuverlässig und hochqualifiziert behoben werden. „So sieht die Medizin der Zukunft aus“, sagt Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller (BSW) über das gestartete Vorhaben. Das Projekt zeige in beeindruckender Weise, „welchen enormen Beitrag die Digitalisierung zu unserer Gesundheitsversorgung leisten kann“.

Die zeitnahe Diagnostik und Therapie von neurologischen Erkrankungen stellt insbesondere vor dem Hintergrund der langen Wartezeiten auf Arzttermine in ländlichen Regionen eine Herausforderung dar. Im Projekt soll deshalb die Kooperation zwischen ambulant tätigen Haus- und Fachärzten sowie universitären Einrichtungen und neurologischen Schwerpunktpraxen verbessert werden. Vorgesehen ist, im Laufe des Projektes insgesamt rund 200 Hausarztpraxen mit modernster Telemedizintechnik auszustatten. TENEAM bietet telemedizinische Sprechstunden bereits jetzt bei den teilnehmenden Hausärzten an. Diese Sprechstunden werden durch die universitären Einrichtungen der Berliner Charité, der Universitätsmedizin Greifswald und der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem sowie zehn neurologische Schwerpunktpraxen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. Patienten mit neurologischen Beschwerden erhalten in der Hausarztpraxis eine erste teleneurologische Untersuchung sowie Behandlungsempfehlungen. Das Projekt beinhaltet sowohl die Erstabklärung neurologischer Erkrankungen als auch die Weiterversorgung von chronisch-neurologisch Erkrankten.

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) der gesetzlichen Krankenkassen fördert TENEAM für eine Laufzeit von 45 Monaten mit rund 8,4 Millionen Euro. Neben den durchführenden universitären Kliniken sind auch der Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) sowie die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) an der fachlichen und organisatorischen Umsetzung des Projekts beteiligt. Mit der AOK Nordost, der BARMER, der DAK – Gesundheit sowie der KNAPPSCHAFT haben sich auch Krankenkassen mit einem großen Marktanteil in den Regionen direkt für das Projekt engagiert. Die wissenschaftliche Evaluation des Modellvorhabens mit perspektivisch insgesamt mehr als 8000 Patienten wird unabhängig von der TU München (Fachgebiet für Gesundheitsökonomie) und dem Institut für Allgemeinmedizin der Charité im Rahmen einer randomisierten Studie durchgeführt. Neben den Effekten auf Behandlungsqualität, werden auch die Versorgungssituation und die Lebensqualität der Patienten und auch gesundheitsökonomische Aspekte untersucht. gd/WS

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