Saatgut für den Kühlschrank
Einige Samen brauchen einen Kältereiz,damit sich der Keimling entwickeln kann

Klatschmohn und Kornblumen.Foto: Adobe Stock/Fotolyse
Pflanzen auszusäen ist nicht so simpel, wie es im ersten Moment klingt. Manche Samen müssen tief in die Erde, andere praktisch an der Oberfläche bleiben, einige brauchen es feucht, andere nicht so sehr. Noch kniffliger: Eine ganze Reihe von Pflanzen sind sogenannte Kaltkeimer. Das bedeutet, dass ihre Samen einen Kältereiz benötigen, um sich entwickeln zu können. Zur Not kann das auch im Kühlschrank nachgeholt werden.

Der Hintergrund: Pflanzen in der gemäßigten Klimazone mit ihren kalten Wintermonaten müssen sicherstellen, dass sich aus ihren Samen nicht schon in milden Witterungsperioden im Herbst Jungpflanzen entwickeln, die dann strengeren Frost nicht überstehen würden. Die Pflanzen verfügen deshalb über einen Schutzmechanismus. Dazu lagern sie keimhemmende Stoffe ein, etwa die Abscisinsäure, ein Pflanzenhormon. Die Substanz wird durch eine längere Phase mit kälteren Temperaturen abgebaut. Erst danach kann sich – wenn es wieder wärmer wird – ein Spross bilden.

Bei Hobbygärtnern sind diese Zusammenhänge nicht immer bekannt und auch auf Samentütchen ist häufig nicht erwähnt, ob die Samen zur Keimung noch einen Kältereiz brauchen. Dann kann es passieren, dass die mit Begeisterung angelegten Saatreihen im Beet kahl bleiben, obwohl die Sämereien gerade erst frisch im Fachhandel gekauft wurden.

Insgesamt gilt, dass es sich bei den Kaltkeimern in der Regel um alteingesessene Arten handelt, die sich unter den hiesigen Bedingungen auch wild fortpflanzen können. Aus südlicheren Gefilden eingeführte Kulturpflanzen weisen diese Besonderheit nicht auf. Zu den Kaltkeimern gehören unter den Blumen zum Beispiel Mohn, Kornblumen und Löwenmäulchen, Königskerze, Kornrade oder Silberblatt, beim Gemüse sind es neben einigen Kohlarten etwa Bärlauch und Spinat. Viele Kräuter wie Dill, Salbei, Schnittlauch oder Waldmeister werden ebenso zu dieser Gruppe gezählt.

Wer es im Herbst versäumt hat, Samen von Kaltkeimern in die Erde zu bringen, hat in frostfreien Perioden bis zum Ende des Winters noch Gelegenheit dazu. Als Kältereiz reicht es in der Regel, wenn die Samen über einige Wochen Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt ausgesetzt sind. Das gilt zumindest für die sogenannten Kühlkeimer, während im Unterschied dazu Frostkeimer auf Temperaturen unter null angewiesen sind. Was aber können wir tun, wenn der passende Zeitpunkt für die Aussaat der kältebedürftigen Sämereien verpasst wurde? Manche Saatguthändler verkaufen bereits vorbereitete Samen, die im Lager einem Kältereiz ausgesetzt wurden. Ansonsten ist es möglich, das selbst im eigenen Kühlschrank nachzuholen. Dazu lässt man die Samen zunächst etwa ein bis zwei Wochen lang in Wasser quellen. Anschließend werden sie in mit etwas Sand abgemagerte Anzuchterde eingemischt. Die Samen-Erde-Mixtur wird angefeuchtet, in einen Gefrierbeutel gefüllt und in den Kühlschrank gelegt. Bei Kornblumen etwa reicht es oft, sie etwa ein bis zwei Wochen bei 4 bis 8 Grad zu lagern, bei Mohnblumen sollten es drei bis vier Wochen sein. net
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