Kostbare Blüten
Für besondere Schneeglöckchen-Sorten zahlenLiebhaber oft hohe Summen

Es klingt absonderlich: Da werden über tausend Euro für ein Tütchen einfacher Blumenzwiebeln gezahlt, aus denen sich zarte Schneeglöckchen (Galanthus) entwickeln sollen. Was an das sogenannte Tulpenfieber im 17. Jahrhundert in Holland erinnert, die erste bekannte Spekulationsblase des Kapitalismus, ist ein vielschichtiges Phänomen.

Das Schneeglöckchen ist eine der ersten Pflanzen, die noch im Winter ihre Blüten öffnen. Sogar strengen Frost überstehen die Blüten unbeschadet. Von den weltweit 120 Arten ist nur eine, das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), bei uns heimisch und wild in Mischwäldern, Parkanlagen und Gärten zu finden. Als Nahrungsquelle ist es vor allem für Hummeln wichtig. Deren Königinnen, die als einzige den Winter überleben, sind ab Februar unterwegs, um ein neues Hummelvolk zu gründen. Der Nektar der Schneeglöckchen leistet da einen wichtigen Beitrag.

Ihr Auftreten als erste Frühjahrsboten ist auch ein Grund dafür, warum die zarten Blumen beim Menschen so beliebt sind. Bei Liebhabern stehen allerdings nicht die Wildpflanzen im Mittelpunkt des Interesses, sondern die mehr als 500 verschiedenen Zuchtformen. Vor allem in Großbritannien strengen sich Züchter seit Langem an, Sorten zu kreieren, die durch große Blüten und ungewöhnliche Färbungen das Interesse der Sammler erregen. Gehandelt werden sie auf Auktionen und Schneeglöckchen-Messen. Seltene Züchtungen wie zum Beispiel „Galanthus woronowii Elisabeth Harrison“ erzielen hohe Preise, gerade weil sie so selten sind. Die Vermehrung der Sorten ist aufwendig und geschieht nur in kleinen Stückzahlen, das macht die Zwiebeln so kostbar. Auch in Deutschland gibt es entsprechende Sammlertreffen, am bekanntesten vielleicht die Schneeglöckchentage in Kloster Knechtsteden (Nordrhein-Westfalen), die in diesem Jahr am 21./22. Februar stattfinden.

Manche Pflanzenliebhaber sehen den Kauf seltener Schneeglöckchenzwiebeln sogar als eine Investition, die sich auszahlen kann. Bei richtiger Pflege lassen sich die Raritäten vermehren und eventuell weiterverkaufen. Allerdings ist bei ungünstigen Bedingungen auch ein Verlust der Pflanzen möglich. Und die Entwicklungen am Markt lassen sich nicht vorausberechnen. Eine Garantie für Wertsteigerung gibt es nicht. Und daher könnte sich die Spekulation mit Schneeglöckchen tatsächlich ähnlich entwickeln wie jene mit Tulpenzwiebeln vor Jahrhunderten.

Keine Fantasiepreise müssen dagegen für die herkömmlichen Schneeglöckchensorten gezahlt werden. Mehr als zehn Euro für eine Tüte Zwiebeln können es wegen der schwierigen Aufzucht allerdings schon werden. Die Zwiebeln werden am besten im Herbst gepflanzt. Wer jetzt blühende Pflanzen kauft, kann sie an der Fensterbank blühen lassen und später ins Beet setzen oder gleich an den passenden Platz pflanzen. Am besten geeignet ist ein schattiger oder halbschattiger Standort ohne Staunässe. net
Druckansicht