Die thematische Spannweite reicht vom Polizistenmord in Cottbus im Jahr 1949 über tödliche Postsendungen in Saßnitz, Brandstiftungen bis hin zu einem bestialischen Kindermörder.
Besonders ansprechend ist die vielschichtige Betrachtungsweise: Neben der Schilderung der Verbrechen, der Täterpersönlichkeiten und ihrer strafrechtlichen Bewertung steht vor allem die Ermittlungsarbeit im Zentrum, mit ihren Erfolgen, Irrtümern und Hindernissen. Gerade dies gewinnt an Tiefe, weil Mittmann die Ermittlungen konsequent in die gesellschaftlichen Bedingungen der DDR einbettet. Er zeigt sowohl die Umstände auf, die Straftaten begünstigten, als auch politische, strukturelle und nicht zuletzt menschliche Stärken und Schwächen, welche die Aufklärung beeinflussten. Ereignisse wie der Befehl Nr. 2, die Operation „Leuchtturm“, der Währungsumtausch oder der Interzonenverkehr eröffnen dabei einen hintergründigen Blickwinkel.
Ausführlich würdigt Mittmann die Arbeit der Volkspolizisten und Kriminalisten, die teils unter erheblichen persönlichen Opfern zur Aufklärung beitrugen. Dabei geht er auch auf ihre biografischen Hintergründe und politischen Motive im operativen Handeln ein. Viele der geschilderten Verbrechen waren bereits zu DDR-Zeiten Gegenstand literarischer oder filmischer Bearbeitungen. Ältere Leser erinnern sich etwa an Filme wie „Alarm im Zirkus“ oder „Ware für Katalonien“. Sachliche Information, präzise Milieuschilderung und Spannung gehen in diesem Sammelband eine überzeugende Verbindung ein. rvMittmann, W.: Der Frauenmörder vom Salzigen See. Verlag Das Neue Berlin, 2025.