Die anfänglichen Symptome der Gürtelrose, ein gürtelförmiger, halbseitiger Ausschlag mit geröteter Haut, verbunden mit Kribbeln, Juckreiz und starken, brennenden Schmerzen, später Bläschen und Schorf, lassen an eine Hautkrankheit denken. Bei Gürtelrose handelt es sich jedoch um eine schmerzhafte Nervenerkrankung, die auch noch lange Zeit später den Alltag einschränken kann. „Die Schmerzen bei Gürtelrose sind meist stark und sehr charakteristisch. Viele Betroffene beschreiben sie als brennend, stechend oder elektrisierend, manche empfinden sie wie Messerstiche oder ein dauerhaftes Brennen oder Kribbeln unter der Haut“, so der Schmerzexperte. Schon leichte Berührungen, etwa durch Kleidung oder einen Windhauch, können dann quälende Schmerzen oder Missempfindungen auslösen.
Gürtelrose und Windpocken hängen eng zusammen, denn die Gürtelrose ist eine Folgeerkrankung der Windpocken und wird durch dieselben Erreger ausgelöst, die Varizella-Zoster-Viren. Michael Überall erklärt: „Nachdem die Windpocken abgeheilt sind, verschwinden die Viren nicht vollständig aus dem Körper. Vielmehr ziehen sie sich in Nervenknoten, die sogenannten Spinal- oder Hirnnervenganglien, zurück, wo sie sich vor dem Immunsystem verstecken können, und verbleiben dort in einer Art Schlafzustand.“ Ist das Immunsystem geschwächt – etwa durch höheres Alter, eine chronische Krankheit oder Stress –, sinkt aber die Abwehrkraft des Körpers. Dann können die Viren reaktiviert werden und eine Gürtelrose auslösen. Als Spätfolge kann es zu einer sogenannten Post-Zoster-Neuralgie kommen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt inzwischen eine Immunisierung gegen Gürtelrose als Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren sowie für Erwachsene ab 18 Jahren mit erhöhtem Risiko etwa aufgrund schwerer Grunderkrankungen wie Asthma bronchiale oder Diabetes mellitus. Damit wurde der Kreis der Berechtigten ausgeweitet, bei denen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten übernehmen. Bisher galt das für Über-60-jährige und chronisch Erkrankte ab 50 Jahren.
„Laut dem aktuellen Barmer-Arzneimittelreport nehmen jedoch rund 80 Prozent der Anspruchsberechtigten diese Möglichkeit nicht wahr“, konstatiert Michael Überall mit Bedauern.
Ulrich Nettelstroth