Die Besonderheit dieses Fundes liegt in der vermuteten zeitlichen Einordnung. Derzeit gilt die berühmte „Tannenbergbüchse“ im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (datiert auf 1399) als die älteste sicher datierte Handfeuerwaffe Europas. Das Fundstück aus Kletzke lässt sich jedoch sehr wahrscheinlich dem Jahr 1390 zuordnen. Damit wäre es das früheste bisher bekannte archäologische Zeugnis für den Einsatz tragbarer Schwarzpulverwaffen in Deutschland. Nach aktuellem Kenntnisstand dürfte das „Kletzker Handrohr“ im Zusammenhang mit der Belagerung der Burg Kletzke im Jahr 1390 stehen. Bereits 2023 arbeiteten der Historiker Clemens Bergstedt und Gordon Thalmann die schriftliche Überlieferung des Franziskanermönchs Detmar von Lübeck auf. Archäologische Grabungen der Jungen Archäologen Prignitz und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin unter Leitung von Thomas Schenk bestätigten 2024 und 2025 die militärischen Auseinandersetzungen durch zahlreiche Befunde und Funde.
„Wenn diese Büchse auf die Belagerung von 1390 zurückgeht, wäre das für Brandenburg spektakulär. Aus dieser Zeit haben wir bisher keine schriftlichen oder archäologischen Belege für Feuerwaffeneinsatz, wir konnten ihn bisher nur allgemein voraussetzen“, sagt Christof Krauskopf vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM). Wenn die Waffe aus dem Belagerungslager von 1390 komme, stamme sie indes vermutlich nicht aus Brandenburg oder der Prignitz, so die Einschätzung des Mittelalterarchäologen. Unter der fachlichen Begleitung des BLDAM werden die Forschungen in den kommenden Jahren fortgesetzt. Für die Zukunft ist zudem eine archäologisch-touristische Erschließung des Standorts Kletzke geplant, um diesen bedeutenden Teil der brandenburgischen Landesgeschichte erlebbar zu machen. dre