Geboren und aufgewachsen im kleinen Dorf Kehrberg (Groß Pankow), beginnt ihre Geschichte früh mit Verantwortung. Mit 17 Jahren wird sie Mutter, bricht eine technische Ausbildung ab, die sie nicht gewählt hat, denn der berufliche Platz wurde einem zu dieser Zeit in der DDR zugewiesen. Sie lebt zunächst bei den Schwiegereltern, später wieder bei den eigenen Eltern. Es sind Jahre, in denen vieles gleichzeitig passiert: Kindererziehung, Geldsorgen, die Suche nach Arbeit. Und immer wieder die Frage, wie ein selbstbestimmtes Leben gelingen kann.
Karin Haber-Falk beschreibt diese Zeit ohne Pathos, dafür mit großer Nähe zum Alltag. Sie erzählt von einfachen Wohnungen ohne Bad, von Arbeit im Fleischerladen, von ersten Schritten in der Kinderkrippe. Was sich dabei langsam herausbildet, ist mehr als ein Beruf: Es ist für sie eine Berufung. Über Jahrzehnte arbeitet sie als Erzieherin, später auch als Tagesmutter, insgesamt 45 Jahre lang. „Ich habe immer gesagt, ich habe die schönste Arbeit auf der Welt“, blickt sie heute zurück.
Ihr Leben verläuft dabei keineswegs gradlinig. Die Wendezeit bringt, wie für viele Ostdeutsche, tiefgreifende Veränderungen. Auf Hoffnung folgt Ernüchterung: „Es war nicht alles Gold, was glänzt“, sagt sie rückblickend. Kündigung, Neuorientierung, schließlich der Schritt in die Selbstständigkeit als Tagesmutter. Wieder ein Neuanfang. Auch privat erlebt sie Brüche. Die Beziehung zum ersten Ehemann scheitert. Sie versuchen einen Neuanfang, der nicht trägt. Es folgen Jahre als Alleinerziehende, später bereichert eine neue Liebe, Ehe und große Patchworkfamilie ihr Leben. Hinzu kommen weitere Herausforderungen: die Pflege der Mutter, das Leben mit mehreren Generationen unter einem Dach, schließlich eine Krebserkrankung. „Ich bin immer wieder aufgestanden“, sagt sie.
Diese Haltung spiegelt sich auch im Aufbau ihres Buches. In kleinen, oft anschaulichen Episoden erzählt sie von Kindheit, erster Liebe, Mutterschaft, Arbeit und den Umbrüchen der Wendezeit. Immer wieder blitzt dabei Humor auf, manchmal Wehmut, oft auch leise Selbstironie. Es ist ein bewegtes Frauen-Leben. Dass aus dieser Lebensgeschichte ein Buch wurde, ist selbst Teil der Erzählung. Erst im Ruhestand, nach einem Krankenhausaufenthalt und inspiriert durch Gespräche mit einer jüngeren Frau, beginnt die Rentnerin zu schreiben. „Mensch, Karin, was du schon alles erlebt hast – du könntest doch ein Buch darüber schreiben“, hat die Bekannte zu ihr gesagt – ein Satz, der schließlich den Ausschlag für die Biografie gab. Heute ist das Buch veröffentlicht, wird gelesen, weiterempfohlen, bei Lesungen in der Region vorgestellt. Über 200 Exemplare hat die Autorin bereits verkauft. Doch wichtiger als Zahlen ist ihr etwas anderes: die Botschaft. „Man darf nicht gleich aufgeben“, sagt sie, „man kann ganz viel schaffen, wenn man es wirklich möchte.“ Ihre Biografie ist auch ein Stück Zeitgeschichte – erzählt aus der Perspektive einer Frau, die das Leben im Großen wie im Kleinen erfahren hat. Und es ist eine Einladung, genauer hinzusehen auf Lebenswege, die viel über eine Gesellschaft erzählen. Stephanie Drees