Unterwegs zu sich selbst
Zwischen Natur, Begegnung und Besinnung: Am Gründonnerstag lädtder Annenpfad rund um Heiligengrabe zum Anpilgern ein

Impressionen aus dem letzten Jahr: Pilgern bedeutet Naturerlebnis, Gemeinschaft und Besinnung.Fotos: Reinhard Helm
Heiligengrabe. Wer sich am kommenden Gründonnerstag, dem 2. April, auf den Weg macht, folgt in der Prignitz nicht nur einem ausgeschilderten Rundweg – sondern auch einer Idee: innehalten, gehen, schauen. Das traditionelle Anpilgern auf dem Annenpfad beginnt um 10 Uhr an der Heiliggrabkapelle im Kloster Stift Heiligengrabe, wo Begrüßung und Reisesegen den Tag eröffnen. Dann geht es los – auf eine rund 22 Kilometer lange Strecke, vorbei an kleinen Dorfkirchen und großen Geschichten. Der Tag eröffnet die Pilgersaison in diesem Jahr. Jeder und jede kann teilnehmen.

„Pilgerwege tragen eine Symbolik inne: Man ist auf dem Weg. So ähnlich wie man eben auch auf seinem Lebensweg ist“, sagt Dorothee von Ramm, Stiftsfrau im Kloster Heiligengrabe und Mitorganisatorin des Tages. Der Annenpfad selbst existiert bereits seit knapp 20 Jahren. Ein Arbeitskreis mit befreundeten Menschen aus Heiligengrabe, Wilmersdorf, Alt Krüssow und Bölzke kümmert sich um Pflege, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit. Auch das Anpilgern lebt von diesem Engagement: „Wir arbeiten in diesem Freundeskreis alle ehrenamtlich“, sagt Dorothee von Ramm. Neben ihr gehören noch Manuela Havemann, Roswitha Schick, Ralf Doerks und Reinhard Helm dazu.

Die Route führt an dem Tag zunächst nach Wilmersdorf, wo die Dorfkirche ihre Türen öffnet. Weiter geht es nach Alt Krüssow – mit seiner imposanten, einst bedeutenden Pilgerkirche. Hier wartet nicht nur eine kleine Führung, sondern auch eine Pilgersuppe gegen Spende. Nach einem Impuls für den weiteren Weg zieht die Gruppe weiter nach Bölzke. Dort gibt es Kaffee und Kuchen – abhängig von den Wetterbedingungen – unter freiem Himmel, bevor sich der Kreis am Nachmittag wieder in Heiligengrabe schließt. An den Kirchen erfahren die Pilger einiges über die kulturhistorische Bedeutung der Gotteshäuser auf dem Weg.

Zwischen 60 und 80 Menschen nehmen in der Regel am Gründonnerstag teil – von erfahrenen Wanderern bis hin zu Neugierigen, die zum ersten Mal pilgern. „Es geht ums Wandern in schöner Natur“, sagt Dorothee von Ramm. „zudem ist man eingeladen, während des Pilgerns ein bisschen über sich selbst und sein Leben nachzudenken.“ Dass dabei jede und jeder das eigene Tempo findet, gehört dazu. Die Gruppe zieht sich unterwegs auseinander, manche gehen zügig, andere lassen sich Zeit. Wer merkt, dass die Strecke zu lang wird, kann ein Pilgertaxi nutzen, das zurück nach Heiligengrabe fährt.

Das Anpilgern ist dabei mehr als eine Wanderung: Es verbindet Bewegung, Begegnung und Besinnung – ist offen auch für Menschen ohne religiösen Hintergrund. „Wir versuchen immer einen Mittelweg zu finden – damit auch Menschen, die mit christlichem Vokabular nicht vertraut sind, thematisch etwas für sich mitnehmen können“, erklärt Dorothee von Ramm. Pilgern liegt derzeit wieder im Trend. Und vielleicht ist es genau das, was diesen Tag besonders macht: unterwegs sein – in einer Landschaft, die gerade erst wieder zu blühen beginnt, und mit Gedanken, die sich beim Gehen sortieren. Stephanie Drees



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