Gelber Frühlingsbote
Löwenzahn: Gefürchtetes Unkraut mit vielen bemerkenswerten Eigenschaften

Foto: Adobe Stock/horhvozdetskiy

In einem satten Gelb leuchten derzeit viele Wiesen. Es sind die Blüten des Löwenzahns (Taraxacum), die sich jetzt überall zeigen. Bei Gärtnern ist die ausbreitungsfreudige Pflanze mit den auffällig gezahnten Blättern alles andere als beliebt. Aber es lohnt sich, das als Unkraut geschmähte Gewächs einmal genauer zu betrachten, denn es hat wirklich bemerkenswerte Eigenschaften.

Da sind zunächst einmal die gelben Blüten, die eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen sind. Durch sein frühes Erscheinen ist der Löwenzahn sowohl für viele Wildbienen als auch für die Honigbienen von großer Bedeutung. Imker können die Wiesen als Bienenweide nutzen. Löwenzahnhonig hat ein kräftiges Aroma und eine ausgeprägt gelbe Farbe.

Nach der Blüte entwickeln sich die beeindruckenden Samenstände, im Volksmund Pusteblume genannt. Jede Blüte entwickelt mehrere Hundert hauchdünne Samenkörner, die an kleinen Fallschirmchen hängen. Vom Wind können sie weit getragen werden und sind dabei so wasserabweisend, dass sie selbst nach kräftigem Regen flugfähig bleiben. Eine weitere Besonderheit: Die kleinste Ritze reicht den Samen, um zu keimen und eine Pfahlwurzel auszutreiben. So können sich die Pflanzen auch mitten in Pflasterwegen breitmachen. Die Wurzel ist ein Grund, dass der Löwenzahn bei Gartenbesitzern so gefürchtet ist. Mehr als einen Meter tief können sie bei großen Pflanzen in die Erde reichen. Bleiben beim Ausstechen Reste im Boden, treiben sie erneut aus.

Andererseits ist der Löwenzahn eine alte Heil- und Nutzpflanze. Grundsätzlich sind alle Teile essbar. Junge Blätter können als Salat verzehrt werden. Je älter die Pflanzenteile, desto mehr reichern sich Bitterstoffe an, die als Tee zur Verdauungsförderung und Leberentgiftung empfohlen werden. Naturheilkundler bezeichnen die Wurzel, die reich an Kalium und Calcium ist, auch als Ginseng des Nordens. Löwenzahntee ist zudem harntreibend. Daher trägt die Pflanze als volkstümliche Bezeichnung den wenig schmeichelhaften Namen Pissnelke.

Für Gartenbesitzer stellt sich allerdings eher die Frage, wie sie gegen den Löwenzahn vorgehen können. Dabei gilt: Die gelben Blüten kann man als Nahrungsquelle für Bienen noch ein paar Tage stehen lassen, sollte aber schon einmal den Rasenmäher in Stellung bringen, bevor sich die Pusteblumen ausbilden. Zwar treibt die Wurzel immer neue Blüten aus, aus denen sich immer schneller die Samenstände entwickeln. Aber eine unkontrollierte Vermehrung lässt sich so in Grenzen halten.

Schlanke Löwenzahnstecher helfen, die Pflanzen samt Wurzeln aus dem Boden zu holen. Oft hinterlassen sie allerdings unschöne Löcher im Rasen. Im Gemüsebeet ist der Löwenzahn dagegen gut mit dem Spaten zu entfernen, zumindest, solange die Pflanzen noch jung sind und keine allzu tiefen Wurzeln ausgebildet haben.

Es wird wohl nie gelingen, einen Garten frei von Löwenzahn zu bekommen. Schließlich werden die leichten Samen immer wieder von weither angeweht. Stattdessen gilt es, Gelassenheit zu bewahren – und sich auch an dem satten Gelb der Blüten zu erfreuen. net
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