„Das Eichhörnchen ist eines der bekanntesten Wildtiere Deutschlands – und trotzdem wissen viele nicht, welche wichtige Rolle es für unsere Gärten und Wälder spielt. Umso schöner ist es, dass es als Gartentier des Jahres 2026 nun viel Aufmerksamkeit bekommt. Denn auch Eichhörnchen haben es aufgrund von Lebensraumverlusten in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft nicht leicht. Gerade im eigenen Garten können wir einiges für ihren Schutz tun“, erklärt Hannes Petrischak, Bereichsleiter Naturschutz und Naturerlebnis bei der Heinz-Sielmann-Stiftung.
Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist ein tagaktiver Kleinsäuger aus der Familie der Hörnchen. Sein auffälligstes Merkmal ist der buschige Schwanz, der fast so lang ist wie sein gesamter Rumpf: Er dient beim Springen von Baum zu Baum als Steuerruder und Balancierstange. Mit scharfen, gebogenen Krallen an allen vier Pfoten klettert das Eichhörnchen selbst an glatten Baumstämmen mühelos senkrecht – und das ebenso schnell nach oben wie nach unten.
Als typische Rückzugsorte dienen ihm Baumhöhlen sowie dichte Laubgehölze, in deren Kronen es seine kugelförmigen Nester, die sogenannten Kobel, baut. Im Gegensatz zu vielen anderen Waldbewohnern hält das Eichhörnchen keinen Winterschlaf, sondern lediglich eine Winterruhe: An milden Tagen verlässt es sein Nest, um Nahrung aus einem seiner vielen Verstecke zu holen. Im Herbst legt es unermüdlich Vorratsdepots an – vergraben im Wurzelwerk, versteckt in Astgabeln oder in Baumhöhlen. Einen Teil dieser Verstecke findet es nicht mehr wieder. Aus vergessenen Eicheln, Nüssen, Bucheckern und anderen Sämereien keimen dann neue Bäume. Auf diese Weise trägt das Eichhörnchen auch zur Verjüngung von Wäldern bei.
Häufig werden Eichhörnchen als Nestplünderer bezeichnet. Das trifft jedoch nur teilweise zu. Eichhörnchen ernähren sich größtenteils von pflanzlicher Nahrung und decken ihren geringen Bedarf an tierischem Eiweiß in der Regel mit Insekten und Raupen. Nur bei knappem Nahrungsangebot fressen Eichhörnchen Eier oder Nestlinge. Beobachtete Fälle legen nahe, dass es sich um leicht erreichbare Nester häufiger Brutvögel wie Meise oder Amsel handelt. Bestandsgefährdend für seltene Vögel ist dieses Verhalten nicht.
Gartenfreunde können sich über die geschäftigen Tiere freuen – und mit einfachen Maßnahmen auch dazu beitragen, dass sich Eichhörnchen dauerhaft ansiedeln. Entscheidend ist ein strukturreicher und naturnaher Garten: Nuss-, Eichen- und Haselbäume liefern im Herbst wichtige Nahrung, während alte Bäume mit Höhlen oder ebenso dichte Laubgehölze geeignete Rückzugsorte bieten. Wo solche Strukturen fehlen, kann ein speziell konstruierter Eichhörnchen-Nistkasten in vier bis sechs Metern Höhe den natürlichen Kobel ersetzen.
Auch am Boden braucht das Tier Schutz. Laubhaufen und Totholz schaffen Deckung vor Fressfeinden wie Greifvögeln und Katzen. Ergänzend kann eine Futterstation mit Hasel- und Walnüssen sowie Sonnenblumenkernen helfen. Sie sollte jedoch immer erhöht am Baumstamm angebracht werden, nicht am Boden. Besonders in schneereichen Wintern erleichtert dies den Zugang zu Nahrung, wenn die eigenen Vorräte verborgen bleiben. Ebenso wichtig ist der Verzicht auf Pestizide. Sie reduzieren die Insektenvielfalt, auf die Eichhörnchen als Eiweißquelle angewiesen sind.
„Wer seinen Garten naturnah gestaltet, unterstützt damit nicht nur das Eichhörnchen, sondern stellt damit auch vielen weiteren Tierarten wertvollen Lebensraum bereit“, sagt Petrischak. WS