Gemüseanbau im Garten ist nicht jedermanns Sache. Mit einer Ausnahme: Tomaten. Auch viele, denen es zu mühselig ist, ein Hochbeet oder gar größere Flächen zu beackern, haben zumindest ein Töpfchen mit der in Österreich auch Paradeiser genannten Pflanze auf der Terrasse oder dem Balkon. Ganz einfach ist allerdings auch die Pflege des aus Lateinamerika stammenden Nachtschattengewächses nicht. Mehr als 4000 verschiedene Sorten gibt es und jede hat besondere Eigenschaften und Ansprüche.
Im Gewächshaus fühlen sich Tomaten am wohlsten. Aber während manche Sorten im Freiland schnell kränkeln und zumindest ein Dach benötigen, ertragen andere auch Regen und Wind.
Besonders knifflig: das Ausgeizen. Damit gemeint ist das Entfernen der sogenannten Geiztriebe. Das sind Triebe, die sich in den Blattachseln zwischen Hauptstamm und Seitentrieb entwickeln. Meist sind sie unfruchtbar und entziehen der Pflanze Kraft, die sie für die Entwicklung der Früchte braucht. Außerdem vermindert das zusätzliche Blattwerk die Luftzirkulation und erhöht das Risiko von Pilzbefall, zum Beispiel durch die gefährliche Braunfäule. Ausgegeizte Pflanzen lassen sich einfacher an Stäben anbinden und das Ernten fällt leichter. Experten schätzen, dass die Früchte durch diese Maßnahme um bis zu 50 Prozent größer werden. Auch das Aroma soll sich verbessern.
Der richtige Zeitpunkt ist meist im Frühsommer gekommen. Etwa wöchentlich werden die Pflanzen kontrolliert und überflüssige Triebe entfernt, bevor sie zu dick werden. Sie sollten nicht länger als zwei bis drei Zentimeter sein, um Verletzungen der Pflanze zu vermeiden. Am einfachsten können die Triebe mit dem Fingernagel abgeknipst werden. Ansonsten ist ein scharfes Messer zu verwenden.
Allerdings gilt das Ausgeizen nicht für jede Tomatensorte. Buschtomaten, die niedrig bleiben und meist ohne Anbinden stabil genug sind, müssen in der Regel nicht ausgegeizt werden. Ähnliches gilt für Wildtomaten und einige spezielle Sorten für den Balkon, die sich ebenfalls durch kompakten Wuchs auszeichnen. Solche Sorten profitieren nicht, wenn die Zahl der Triebe ausgedünnt wird. Im Gegenteil wird die Ernte dadurch verringert.
Zu beachten ist außerdem, dass beim Entfernen von Trieben leicht Wunden entstehen können, durch die Krankheitserreger eindringen können. Deshalb sollten die Werkzeuge sterilisiert werden. Die Schnittstellen werden am besten mit Holzkohlepulver behandelt, das eine desinfizierende Wirkung hat.
Manche Gärtner und Gärtnerinnen übertreiben es auch mit dem Ausgeizen und entfernen zu viele Triebe, auch solche, die für den Fruchtansatz wichtig sind. Das ist nur bei einigen Fleischtomaten richtig, die sehr große Früchte bilden und dafür nur die Kraft haben, wenn Konkurrenzansätze entfernt werden. Bei den meisten Sorten dagegen vermindert es den Ertrag. net