Die gesundheitliche Bedeutung extremer Hitze wird nach Angaben der Krankenversicherung weiter zunehmen. Besonders betroffen sind demnach ältere und Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie Kreislaufproblemen, Kleinkinder und Schwangere. „Hohe Temperaturen belasten den Organismus erheblich. Deshalb ist es wichtig, Risiken frühzeitig zu erkennen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen“, so Leyh.
Die Studie zeigt, dass viele bereits Konsequenzen aus zunehmender Hitze ziehen. 82 Prozent fühlen sich gut über gesundheitliche Auswirkungen informiert. Rund zwei Drittel nehmen amtliche Hitzewarnungen ernst und passen ihr Verhalten an: erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, angepasste Ernährungsgewohnheiten sowie Vermeidung körperlicher Belastungen während der heißesten Tageszeiten. 47 Prozent der Befragten legen häufiger Ruhepausen ein, 44 Prozent reduzieren sportliche Aktivitäten und verschieben Termine auf kühlere Tageszeiten. „Viele haben verstanden, dass Hitzeschutz kein Randthema ist, sondern einen direkten Einfluss auf das persönliche Wohlbefinden und die eigene Gesundheit hat“, erklärt Gabriela Leyh. Aber die Verantwortung dürfe nicht allein bei den Bürgerinnen und Bürgern liegen. „Wir brauchen ebenso hitzerobuste Strukturen in Schulen, Kindertagesstätten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, und am Arbeitsplatz. Gesundheitsschutz bei Hitze ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so die Barmer-Landeschefin.
Handlungsbedarf sehen die Befragten bei der Vorbereitung des Gesundheitswesens auf Hitzeereignisse. Nur ein Drittel hält Krankenhäuser für gut oder sehr gut auf extreme Temperaturen vorbereitet. Bei Arztpraxen liege dieser Wert bei 29 Prozent, bei Pflegeeinrichtungen bei nur 21 Prozent. „Gerade Einrichtungen des Gesundheitswesens müssen auch unter extremen Wetterbedingungen verlässlich funktionieren“, sagt Gabriela Leyh. Hitzeschutzkonzepte, Klimaanpassungsmaßnahmen und Notfallpläne sollten künftig stärker in den Fokus rücken.“, sagt Leyh. Dazu gehörten ausreichende Verschattungsmöglichkeiten, Kühlkonzepte, Trinkwasserversorgung sowie klare Abläufe für Hitzeperioden. „Hitzeschutz beginnt lange vor der nächsten Hitzewelle“, sagt Leyh.
Auch im öffentlichen Raum wünschen sich viele zusätzliche Schutzmaßnahmen. 64 Prozent würden sich für einen besseren Zugang zu kostenfreiem Trinkwasser aussprechen. Über die Hälfte der Befragten befürwortet mehr öffentliche kühle Aufenthaltsorte (54 Prozent). 53 Prozent wünschen sich eine stärker hitzeangepasste Stadtentwicklung, etwa durch mehr Begrünung oder reflektierende Oberflächen. „Städte müssen sich an veränderte klimatische Bedingungen anpassen“, erklärt Leyh. Zugleich wachse der Erwartungsdruck auf Arbeitgeber. Mehr als die Hälfte der Befragten wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten oder Arbeitsorte bei großer Hitze. 85 Prozent befürworten kürzere Arbeitszeiten bei Tätigkeiten unter direkter Sonneneinstrahlung. Fast zwei Drittel halten Bußgelder für angemessen, wenn Arbeitgeber keine ausreichenden Schutzmaßnahmen umsetzten. gd