Bisher wurden die Infos am PC nachgetragen. Jetzt dokumentieren Pflegekräfte im Seniorenzentrum den Arbeitsalltag zunehmend per Spracheingabe übers Handy. Die Einrichtung ist das erste Haus der Lafim-Diakonie, die die KI-basierte Voize-App im Alltag einsetzt. Sie soll Pflegekräfte entlasten und mehr Zeit für Bewohner ermöglichen.
Pflegekräfte sprechen ihre Beobachtungen während oder nach dem Bewohnerkontakt direkt ins Smartphone. Die KI ordnet die Inhalte automatisch passenden Dokumentationsfeldern zu. „Ich kann einen fünfminütigen Schachtelsatz hineinsprechen und die KI sortiert alles automatisch“, sagt Standortleiter Michael Gans. Für die Mitarbeiter bedeutet das mehr Präzision und weniger Nacharbeit.
Die Lafim-Diakonie verweist auf eine Studie der Berliner Charité, die zeigt, dass sich die Dokumentationszeit mit Voize im Schnitt halbiert. Auch in Wittenberge sei dieser Effekt spürbar. 25 Minuten pro Mitarbeitenden und Schicht können eingespart werden – ein Wert, der im Pflegealltag entlastet und mehr Zeit für die Bewohner schafft.
Pflegekräfte sehen auf dem Smartphone jederzeit aktuelle Informationen zu den Bewohnern – Trinkmengen, Termine, Hinweise. Auch die Übergaben werden effizienter. Die KI filtert automatisch die wichtigsten Informationen heraus und erstellt eine Zusammenfassung. „Ich klicke auf Übergabe und die App zeigt mir alles, was wirklich relevant ist“, so der Standortleiter.
Das Evangelische Seniorenzentrum Willi Kupas gilt als innovativer Standort. Nicht zuletzt wegen des Ausbildungskonzepts mit Ausbildungsstation. Viele Azubis arbeiten zusätzlich zum Personalschlüssel.
„Dadurch, dass wir so viele Auszubildende haben, ist immer frischer Wind drin“, sagt Michael Gans. „In vielen Einrichtungen müssen wir Schüler um Anleitung betteln. Hier ist es deutlich entspannter“, sagt die 19-jährige Pia Kuhrmann, die sich im dritten Lehrjahr befindet. Die Voize-App-Einführung wurde sorgfältig vorbereitet, Mitarbeitende zu „Coaches“ ausgebildet, die dann das gesamte Team schulten. Zusätzlich fanden Schulungen mit den App-Entwicklern im Speisesaal statt.
Trotz Startschwierigkeiten sehen viele im Haus darin großes Potenzial. Besonders der unmittelbare Bezug zum Bewohner wird als Vorteil wahrgenommen. „Wenn ich eine Situation direkt nach dem Gespräch dokumentiere, geht nichts verloren“, sagt Martin-Leo Leubert, externer Auszubildender. Persönliche Beobachtungen lassen sich so genauer festhalten. Für die Diakonie könnte das Projekt wegweisend sein. Wenn sich die App bewährt, ist ein Einsatz in weiteren Einrichtungen denkbar. In Wittenberge wird weiter getestet – mit Smartphone, Stimme und der Frage, wie KI Pflege nachhaltig entlasten kann. WS