Innere Sicherheit als Grundlage von Gerechtigkeit

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In der Diskussion um Gleichheit und Gerechtigkeit wird häufig über Verteilung und Umverteilung gesprochen, über Mindestlöhne, Grundsicherung, Bildungsinvestitionen. Doch eines wird, findet Nickolas Emrich, dabei vergessen: All das funktioniert nicht, wenn das friedliche und ungestörte Zusammenleben der Menschen nicht garantiert ist, wenn die innere Sicherheit vernachlässigt wird. „Was nützen“, schreibt er in seinem Buch „Der Preis unserer Toleranz“, „aufwändige und teure Bildungsprogramme, wenn Kinder Angst haben, in die Schule zu gehen?“ Der Autor bringt gute Voraussetzungen mit, sich diesem Thema zuzuwenden. Aufgewachsen in Berlin-Kreuzberg, studierte er Rechtswissenschaften, war Unternehmer, tat als Polizist Dienst auf der Alexwache und fuhr bei den Berliner Verkehrsbetrieben U-Bahnzüge. Er erinnert an all das, was nicht funktioniert, wenn sich ein schleichender Kontrollverlust normalisiert, ohne daraus gleich eine abstrakte Bedrohungslage zu konstruieren. Emrich behandelt Ursachen und Bedingungen unter der Prämisse, dass Rechtsetzung nichts wert ist, wenn das Recht nicht durchgesetzt wird. Wenn man wie er konkret wird, stößt man schnell auf alltägliche Probleme, die häufig Gegenstand kontroverser Diskussionen sind, wie das Rauchen in Nichtraucherzonen oder das wilde Abstellen von Müll am Straßenrand. Gerade an ihnen zeigt sich nach Emrichs Auffassung, ob Regeln tatsächlich gelten und der Staat bereit ist, sie durchzusetzen. Daraus leitet sich für ihn folgerichtig die Forderung „Null Toleranz!“ auch gegenüber vermeintlich kleinen Regelverstößen ab. Richtig angewandt gehe es dabei weder um Willkür noch um blinde Härte, sondern um Verlässlichkeit. An zahlreichen Beispielen erläutert der Autor, was das für Vandalismus im Großen wie im Kleinen, Drogenkonsum, die Bagatellisierung kriminellen Verhaltens, Schwarzfahren sowie Angriffe auf Busfahrer, Krankenpfleger und selbst Polizisten bedeutet. Er schreibt über mildernde Umstände und Wiederholungstäter und vertritt die These, dass zweite Chancen für Täter unter Umständen weiteres Leid für Opfer bedeuten können. Emrich entwickelt Forderungen, die unterschiedliche Adressaten haben: die Politik, die Justiz und verschiedene Behörden. Sie richten sich ebenso an jeden Einzelnen, innere Sicherheit geht alle an. So fordert Emrich seine Leser dazu auf, Zivilcourage zu beweisen und Unrecht eine klare Absage zu erteilen. Auch diese Aufforderung ist unmissverständlich: „Helfen statt filmen!“ rv

Emrich, N.: Der Preis unserer Toleranz. Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag, Neuburg. 2026.

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