Genau mit solchen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten beschäftigt sich Martina Flade in ihrem Buch „Warum Unwissenheit vor Strafe schützt und Eltern nicht für ihre Kinder haften – Die größten Rechtsirrtümer einfach erklärt“.
Bekanntes und weniger Bekanntes wird dabei gleichermaßen behandelt. Der Reiz liegt gerade darin, Alltagswissen einem juristischen Realitätscheck zu unterziehen.
Martina Flade wurde 1992 geboren und kennt die deutsche Justiz aus ungewöhnlich vielen Perspektiven. Sie war zunächst Staatsanwältin in Bayern und wechselte später an das Amtsgericht Chemnitz, wo sie als Straf- und Jugendrichterin tätig war. 2025 machte sie sich als Rechtsanwältin selbstständig und ist außerdem durch soziale Medien bekannt geworden.
Die Kapitel folgen nach Themenkreisen geordnet einem klaren Muster: Mythos – Mythos-Check – Rechtstipps. Zunächst steht die verbreitete Behauptung im Raum.
Danach wird geprüft, was juristisch tatsächlich dahintersteckt. Flade behandelt verschiedene Themenkreise des Alltags, darunter Fragen aus Miet- und Arbeitsrecht, Onlinekäufen und Fluggastrechten. Sätze, die wir für gegeben halten, werden auf die einfache Frage zurückgeführt, stimmt das wirklich? Manchmal lautet die Antwort Nein, manchmal ja und sehr häufig: Es kommt darauf an.
Das Buch bleibt nicht bei Alltagsmythen stehen, sondern nimmt auch Vorstellungen über die Rechtspraxis in den Blick. Dazu gehört die verbreitete Annahme, Jugendstrafrecht sei eine besonders milde Form des Strafrechts, ein „Kuschelrecht“.
Dieses Buch lässt sich mit Vergnügen als Ganzes lesen, aber ebenso gut gezielt auf der Suche nach einem einzelnen Mythos zur Hand nehmen. Es vermittelt verständliche juristische Orientierung, ohne den Anspruch zu erheben, eine individuelle Rechtsberatung zu ersetzen. Aber mit einer juristischen Orientierung ist man klar im Vorteil. rvFlade, M.: Warum Unwissenheit vor Strafe schützt und Eltern nicht für ihre Kinder haften. Riva Verlag, München. 2026.