Für viele ist der Herbst die schönste Jahreszeit. Verantwortlich dafür ist das Laub unserer Bäume, dass sich in allen Schattierungen von Gelb über Orange oder Rot bis Braun färbt und noch einmal kräftig im Licht der Oktobersonne leuchtet, bevor die Blätter sich schließlich von den Zweigen lösen und zu Boden segeln, manchmal einzeln, manchmal in einem sanften Blätterregen.
Auf dem Boden allerdings bedeckt das Laub in großen Massen Wiesen, Beete und Gehwege. Und sorgt dafür, dass der Herbst durch die Plackerei des Harkens und Fegens für manche eine besonders ärgerliche Zeit ist. Das Schlimmste daran: Kaum ist der Weg frei gefegt und ein großer Laubsack bis zum Rand gefüllt, bringt ein kräftiger Windstoß Nachschub von oben – bis die Bäume wirklich kahl sind.
Aber ist das Herbstlaub wirklich nur nervig? „Ganz im Gegenteil! Laub übernimmt mehrere wichtige Aufgaben – nicht nur im Wald, sondern auch im Garten“, sagt Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). Wenn die Blätter im Herbst zu Boden fallen, legen sie sich als schützende, natürliche Mulchschicht rund um die Pflanzen. So hält das Laub die Feuchtigkeit im Boden und den Wurzelbereich warm. Zugleich werden die Blätter von Kleintieren dankbar als Nahrung angenommen. Die Mikroorganismen im Boden zersetzen das Laub mit der Zeit zu wertvollem Humus.
„So werden die Bodenqualität und auch das Pflanzenwachstum deutlich verbessert, denn die darin enthaltenen Nährstoffe kommen schlussendlich den Gewächsen im Garten wieder zugute“, sagt Michael Henze.
Wie wirkungsvoll das Bodenleben beim Umgang mit den abgestorbenen Blättern arbeitet, macht ein Blick in den Wald deutlich. Auf einem Hektar Wald fallen jährlich rund fünf Tonnen Laub von den Bäumen. Das Material bildet eine dicke Schicht, von der aber bis zum nächsten Frühjahr kaum etwas übrig ist. Ein eingespieltes Team von Bodenlebewesen, von Bakterien und Pilzen bis hin zu Asseln und Regenwürmern, hat die Masse gründlich zersetzt. Das Ergebnis ist ein fruchtbarer Waldboden, der wiederum Nahrungsgrundlage für die Bäume ist.
Landschaftsgärtner raten daher, die vertrockneten Blätter nicht als Störfaktor, sondern als willkommenen Schutz und Dünger zu sehen und sie im Beet entspannt liegen zu lassen. Nur von der Rasenfläche sollte das Laub entfernt werden. Denn die Grashalme brauchen Licht und Luft, damit sie gut trocknen können. Sonst kommt es zu Mangelerscheinungen und zu Pilzbefall. Die Rasenbereiche unter den Blättern werden gelb und unansehnlich.
Auch auf Gehwegen und der Terrasse kann der Besen zum Einsatz kommen. Im Zusammenspiel mit Regen könnte es dort ansonsten rutschig werden. Das eingesammelte Herbstlaub muss aber keineswegs auf dem Komposthaufen oder gar in der Mülltonne landen. Besser ist es, daraus eine schützende Decke für die anderen Gewächse im Garten zu schaffen oder gezielt einen Laubhaufen anzulegen. So entsteht für Tiere wie Igel und verschiedene Insekten ein wichtiges Winterquartier. net