Zwei, die nah am Wasser bauen
Wasserbauer sorgen dafür, dass Flüsse, Seen und Seeschifffahrtsstraßen nutzbar bleiben – zwei Auszubildende berichten

Erik Gitter, Paul Schöbel und Ausbilder Peter Pladeck (v. l.) vor der Schleuse in Kleinmachnow.Foto: Matthias Voß
Wittenberge / Bernburg. Wasserbauer? Erik Gitter aus Wittenberge kannte diesen Beruf zunächst auch nicht. Ein Bekannter seines Vaters brachte ihn darauf. Im Berufsalltag sorgen Wasserbauer dafür, dass Flüsse, Seen und Seeschifffahrtsstraßen nutzbar und sicher bleiben. Sie bauen und unterhalten Schleusen, Wehre und Dämme, pflastern Buhnen, setzen Schifffahrtszeichen instand und arbeiten im Hochwasser- und Küstenschutz. Damit sichern sie nicht nur die Schifffahrt, sondern schützen Städte und Landschaften.

Bei einem Zukunftstag konnte sich Erik Gitter die Arbeit genauer ansehen. „Das hat mir gefallen, diese praktische Arbeit liebe ich sehr. Außerdem bin ich an der frischen Luft“, erzählt der heute 22-Jährige. Nach dem Abitur und einer zunächst begonnenen Ausbildung bei der Deutschen Bahn fand Erik so seinen Weg in den Wasserbau. Bei Paul Schöbel aus Bernburg war die Verbindung zum Wasser schon lange da. Der 21-Jährige kommt von einer Sportschule und ist Kanute. „Ich bin mein ganzes Leben schon auf dem Wasser unterwegs“, erzählt er. Schifffahrt und Wasserstraßen waren ihm deshalb vertraut. Für ihn stand fest: „Ich kann mir eigentlich nur vorstellen, auf dem Wasser oder am Wasser zu arbeiten.“

Heute sind beide im dritten Ausbildungsjahr bei Außenbezirken der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), Erik Gitter in Wittenberge, Paul Schöbel in Bernburg. Einen Teil ihrer Ausbildung verbringen sie im Berufsbildungszentrum Kleinmachnow. Es ist eine von zwei Bundesausbildungseinrichtungen dieser Art in Deutschland; die zweite befindet sich in Koblenz. In Sachsen gibt es außerdem eine Landeseinrichtung. In Kleinmachnow können, so Wasserbaumeister und Ausbilder Peter Pladeck, jährlich 60 Auszubildende aufgenommen werden.

Die Ausbildung ist im Blocksystem organisiert. Phasen im Heimatbetrieb wechseln sich mit mehrwöchigen Aufenthalten in Kleinmachnow ab. Dort befinden sich Berufsschule, Ausbildungszentrum und Internat an einem Ort. Die fachliche Bandbreite ist groß: Ufer- und Küstenschutz gehören ebenso dazu wie Tief-, Schalungs-, Beton-, Damm- und Deichbau, Schifffahrtskunde, Schifffahrtszeichen und Knotenkunde. Hinzu kommen beispielsweise Boots-, Kettensägen- und je nach Ausbildungsbetrieb auch Erdbaumaschinenführerschein. Rechnen und technisches Zeichnen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Ein Abitur ist nicht erforderlich, mathematische Vorkenntnisse seien aber hilfreich, sagen die Auszubildenden.

Besondere Bedeutung hat der naturnahe Wasserbau. „Man will ja immer naturnah bauen“, erklärt Paul. Dabei kommen beispielsweise lebende Weiden zum Einsatz, die wieder anwachsen können, „ein gutes Mittelmaß zwischen Beton und lebendigen Pflanzen“. Gewässer möglichst naturnah zu erhalten, ist ein fester Bestandteil der Ausbildung.

Dass Wasserbau weit mehr bedeutet als Arbeiten an einem Flussufer, zeigen die Lernprojekte in Schweden und beim Küstenschutz in Husum. An der Nordsee richtet sich die Arbeit nicht nach einer normalen Uhrzeit, sondern nach Ebbe und Flut. Ein weiteres Projekt führt an eine Talsperre in Sachsen. So lernen die angehenden Wasserbauer Küstenschutz, Strombau, Talsperren, Schleusen und Wehre unter ganz unterschiedlichen Bedingungen kennen. „Die verschiedenen Projekte sind sehr interessant und wir kommen quer durchs Land dabei“, sagt Paul Schöbel. Die internationalen Projekte schätzt auch der Ausbilder: Gerade die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg erweitere die Erfahrungen der Auszubildenden.

Dafür braucht es Menschen, die gern draußen arbeiten – auch bei Regen und schlechtem Wetter. Körperliche Fitness, technisches Verständnis und mathematische Fähigkeiten gehören ebenso dazu wie Durchhaltevermögen. Peter Pladeck, der auf fast 40 Jahre Berufserfahrung zurückblickt, nennt vor allem „Ehrgeiz, Flexibilität, den Willen, nie aufzugeben“, und lösungsorientiertes Denken. Fehler während der Ausbildung seien dabei ausdrücklich erlaubt, denn aus ihnen entstehe Erfahrung.

Nach der Ausbildung stehen verschiedene Wege offen. Erik Gitter zieht es noch stärker aufs Wasser: Er kann sich eine weitere Qualifikation zum Matrosen und später vielleicht zum Schiffsführer vorstellen. Paul Schöbel denkt über ein duales Studium bei der WSV nach. Eine Meisterqualifikation oder andere berufliche Entwicklungen sind möglich. Zwar ist eine Übernahme im jeweiligen Heimatbetrieb für die beiden derzeit nicht sicher, Peter Pladeck sieht den Bedarf an Wasserbauern in Deutschland insgesamt jedoch weiterhin als groß an.

Und wer wissen möchte, ob Wasserbau zu ihm passt, dem rät Peter Pladeck, sich einen Außenbezirk oder das Berufsbildungszentrum einfach mal anzuschauen. Denn am besten versteht man diesen ungewöhnlichen Beruf dort, wo er stattfindet: draußen, an und auf dem Wasser. rv

Weitere Informationen unter: www.damit-alles-läuft.de

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