Den Auftakt der Reihe bildete 2025 „Miss Vergnügen“. Nun ist mit „Miss Verständnis“ der zweite Band erschienen. Die Heldin, Miss Brooks, ist eine Britin mit österreichischen Vorfahren, die ohne Vornamen, aber mit sehr eigenen Vorstellungen durchs Leben geht. Dabei bewegt sie sich zwischen vernünftiger Bescheidenheit und kreativer Extravaganz. Nachdem sie von ihrem Mann in Wien zurückgelassen wurde, hat sie sich dort notgedrungen in der glamourösen Welt von Mode und Schönheitswahn ein neues Leben als Visagistin aufgebaut – samt Katze, neuen Freundschaften und einer erstaunlichen Begabung, in rätselhafte Todesfälle und gesellschaftliche Verwicklungen zu geraten. Im Auftrag einer französischen Kosmetik-Firma schminkt sie die fünf Finalistinnen einer Fernsehshow, die auf dem Flusskreuzfahrtschiff „MS Franzl“ auf der Donau gedreht wird. Allein der Blick hinter die Kulissen einer solchen Show lohnt die Lektüre, doch sehr bald geschieht ein Mord. Eine Herausforderung für die Ermittlerin, die sich von dem abwiegelnden sexistischen Produzenten nicht abweisen lässt: „Nicken, lächeln und den Buckel runterrutschen lassen“, hat sie schnell die österreichische Lebensart gelernt. Selbstironie und Wehmut, Optimismus, Resignation und die Angst, übersehen zu werden, spielen nicht nur bei ihr, sondern bei allen Protagonistinnen eine große Rolle, denn hier geht es um „Fabelhafte Frauen über Fünfzig“. Ist eine von ihnen eine Mörderin?
Martina Parker vermittelt so manches Insiderwissen, auch durch die den Kapiteln vorangestellten Weisheiten und Lebenserfahrungen, die lakonisch, doch passend das Geschehen beleuchten. Sie verbindet Krimispannung mit genauer Gesellschaftsbeobachtung, einer Gesellschaft, in der Sexismus dominierte und auch heute noch in den Machtstrukturen wirkt. Die Autorin blickt mal liebevoll-spöttisch, mal bissig auf menschliche Eitelkeiten, verbindet trockenen britischen Humor mit Wiener Schmäh. Und doch bleibt ein bitterer Beigeschmack.rvParker, M.: Miss Verständnis. Gmeiner Verlag, Meßkirchen. 2026